Heggen II verliert Amateure- Derby

Die Sonne steht mittags um 12 Uhr nicht immer genau im Süden, sondern weicht im Laufe des Jahres mal östlich, mal westlich leicht davon ab. Durch die Variation in der Umlaufgeschwindigkeit kommt es zur horizontalen Abweichung des Sonnenstands. Was diese Information mit dem Spiel der Heggen Amateure in Fretter zutun hat, liebe Leser? Bis auf den Umstand, dass jenes Spiel eben um Punkt 12 angepfiffen wurde - nichts. Jedoch blieb den überraschend zahlreich erschienenen Anhängern des (un)gepflegten Kreisliga-Fußballs genügend Zeit, eben über genau solch' wissenswerte Fakten des Lebens zu philosophieren, denn das Reservederby zwischen Frettertal und Daspel war eines leider ganz und gar nicht: ein ansehnlicher und schmackhafter Leckerbissen.

Die Heggen Amateure starteten im Vergleich zur Vorwoche mit den Edeljokern Chri Merola und Steven Ralf Hoffmann in der Startelf. Letzterer wusste in der vergangenen Woche absolut zu überzeugen, als er kurz nach seiner Einwechselung zwei ansehnliche Treffer markierte - auch wenn er anschließend mehr nach Luft schnaubte, als Rusty, die liebevolle kleine Dampflok aus Starlight Express.

Die erste viertel Stunde gestaltete sich als vorsichtiges Abtasten beider Mannschaften im Stile zweier altgedienter Schwergewichtsboxer, die einfach nur noch ein paar schnelle Dollar einsacken wollen, ohne großartig die Fratze poliert zu kriegen. Diesem Abtasten setzte Steven de Vries, welcher SVH2 erstmals als Captain aufs Feld führte, kurze Zeit später abrupt ein Ende. Scheinbar hatte die Kapitänsbinde am heutigen Tage eine solche Erdanziehungskraft, dass sich Captain Stevie nicht mehr auf den Beinen halten konnte und seinem Gegner, im Stile eines Weltmeisters im Wettwasserrutschen, im Strafraum seitlich in die Parade fuhr. Der Unparteiische entschied aus seinem Wirkungsraum rund um den Mittelkreis heraus folgerichtig auf Elfmeter für Serkenrode/Fretter. Marcel Kiekel ließ sich diese Chance nicht nehmen und brachte die Gastgeber mit 1:0 in Front. Ähnlich ereignisarm, wie ein Rudel sowieso schon fauler Faultiere im noch fauleren Winterschlaf, verlief das Spiel anschließend bis zum Halbzeitpfiff.

Die Halbzeitshow wurde am heutigen Tage von Timm Gorski übernommen, welcher die anwesenden Zuschauer, zu denen auch eine stattliche und äußerst durstige Fanschar unserer Freunde aus Ostentrop/Schönholthausen rund um SVH-Edelfan Maik H. gehörte, mit zahlreichen Kunststücken aus seiner Trickkiste verzückte. Von „Around the World“ über „Okocha“ bis hin zum dreifachen Auerbachsalto mit zweifacher Schraube war alles dabei.


Nach der Halbzeitpause und dem damit verbundenen Pausentee (Spieler), Pausenpils (Maik H.) oder den fünf Pausenzigaretten (Macher) ging es - Sie werden es nicht glauben - mit der zweiten Hälfte weiter!


Heggen besaß nun ein klares Übergewicht in Sachen Ballbesitz, ohne jedoch wirklich gefährlich vor des Gegners Gehäuse aufzutauchen. Die Gastgeber blieben hingegen durch den ein oder anderen Konter gefährlich und man konnte sich bei Schnapper Tille-Face bedanken, der zweimal in glänzender Manier zur Stelle war und ebenso versuchte, seine Jungs in Grün-Weiß nach vorne zu peitschen. Leider schien sich dieses Feuer angesichts der Temperaturen, welche in etwa auf dem Niveau Nordost-Sibiriens lagen, nicht bis in die vordersten SVH-Reihen zu übertragen. So waren es zumeist lediglich Einzelversuche der flinken Burschen Hoffmann und Merola, welche mehr oder weniger für Ansätze von Gefahr im Strafraum der Heimelf sorgten.

Zum Ende der Spielzeit warf Heggen besonders bei Standards nochmals alles nach vorn, letztlich sollte es jedoch nicht mehr für den Ausgleich reichen. Es war letztlich wie ein Bachelorette-Kandidat, der sich direkt am ersten Abend ordentlich einen reinschüttet und sich gepflegt daneben benimmt: Man kam nicht ernsthaft in Frage, schlussendlich was zählbares mitzunehmen.

So gilt es, am kommenden Wochenende gegen Ostentrop/Schönholthausen II vor allem offensiv ein anderes Gesicht zu zeigen, um vom Fußballgott wieder die Worte zu hören, die für einen Erfolg so notwendig sind: Ich habe eine Rose für euch.

Bericht: Kevin Büdenbender

Foto: Joshua Böcker


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